Digitalen Kalibrierschein lesen: der kostenlose DCC Viewer
Was ein digitaler Kalibrierschein (DCC) ist, warum er als XML-Datei ankommt, und wie Sie ihn mit unserem kostenlosen DCC Viewer lesen, prüfen und als PDF-Bericht exportieren.
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Immer mehr Kalibrierlaboratorien liefern ihre Ergebnisse als digitalen
Kalibrierschein, kurz DCC (Digital Calibration Certificate). Die erste
Begegnung sieht meist gleich aus: Eine E-Mail mit einem .xml-Anhang kommt
an, man öffnet die Datei und sieht statt eines Kalibrierscheins eine Wand aus
Tags. Alle Daten sind da, aber sie sind für Maschinen geschrieben. Dieser
Beitrag erklärt, was ein DCC ist, warum er so aussieht, und wie Sie ihn mit dem
DCC Viewer in Sekunden lesen. Ein
kostenloses Werkzeug, das wir genau für diesen Moment gebaut haben.
Was ist ein digitaler Kalibrierschein?
Ein Kalibrierschein dokumentiert, dass ein Messmittel mit einer Referenz verglichen wurde, welche Abweichungen dabei auftraten und mit welcher Messunsicherheit. Jahrzehntelang war das ein PDF oder ein Blatt Papier. Zum Lesen ist das in Ordnung, aber jeder Wert, der in eine Messmitteldatenbank, einen Qualitätsbericht oder eine Regelkarte soll, muss von Hand abgetippt werden.
Der DCC ersetzt das Papier durch eine strukturierte XML-Datei. Das Format wurde von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) gemeinsam mit Partnern aus Industrie und akkreditierten Laboratorien entwickelt. Es ist durch ein veröffentlichtes XML-Schema definiert. Ein DCC von einem Labor hat also dieselbe Struktur wie der DCC eines anderen Labors und kann von Software ohne Rätselraten verarbeitet werden.
Ein DCC besteht aus zwei Hauptteilen:
- Verwaltungsdaten: das Labor und seine Akkreditierung, der Kunde, der Kalibriergegenstand mit Seriennummer, die verantwortlichen Personen und das Kalibrierdatum.
- Messergebnisse: die gemessenen Größen, Referenzwerte, Abweichungen und Unsicherheiten. Größen und Einheiten werden im D-SI-Modell angegeben, einer maschinenlesbaren Schreibweise für SI-Einheiten. Ein Wert wie „23,4 °C" trägt seine Einheit damit eindeutig mit sich.
Das Schema ist versioniert. Die PTB veröffentlicht neue Fassungen, wenn sich das Format weiterentwickelt, und jeder Kalibrierschein gibt an, gegen welche Version er geschrieben wurde. Ein DCC kann außerdem eine digitale Signatur tragen, mit der der Empfänger prüfen kann, dass die Datei seit der Ausstellung durch das Labor unverändert ist.
Warum das wichtig ist
Der DCC soll Kalibrierscheine nicht schwerer lesbar machen, sondern für Software nutzbar:
- Messwerte fließen direkt in die Messmittelverwaltung, in Qualitätssysteme oder in die statistische Auswertung, ohne Übertragungsfehler.
- Ablaufdaten und Konformitätsaussagen lassen sich automatisch prüfen.
- Ein Kalibrierschein kann gegen das amtliche Schema validiert werden. Eine fehlerhafte oder unvollständige Datei fällt beim Eingang auf, nicht erst im Audit.
- Laboratorien und Kunden tauschen eine Datei in einem Format aus, unabhängig von ihren Systemen.
Für Laboratorien, die nach ISO/IEC 17025 arbeiten, und für Unternehmen mit großem Messmittelbestand entfällt damit viel Handarbeit. Der Haken: Die XML-Datei selbst ist für Menschen nicht lesbar. Dafür braucht es einen Viewer.
Der DCC Viewer
Der DCC Viewer ist eine kostenlose Webanwendung, die aus einem DCC etwas macht, das Sie lesen, prüfen und weitergeben können. Es gibt kein Konto und keine Registrierung. Sie öffnen die Seite, ziehen die XML-Datei darauf, und der Kalibrierschein erscheint in strukturierten Blöcken:
- Zertifikatsangaben und Kalibrierlaboratorium,
- Kunde und Kalibriergegenstand,
- verantwortliche Personen und Konformitätsaussagen,
- Kalibrierverfahren, Messausrüstung und Einflussbedingungen,
- die Messergebnisse als Datentabellen und als Diagramme.
Aus diesen Blöcken stellen Sie Ihren eigenen Bericht zusammen. Nehmen Sie die Abschnitte auf, die Ihre Dokumentation braucht, lassen Sie die anderen weg, und exportieren Sie das Ergebnis mit einem Klick als PDF. Laboratorien geben ihren Kunden damit eine lesbare Ergänzung zur XML-Datei; Kunden legen den Kalibrierschein so ab wie bisher und behalten trotzdem das maschinenlesbare Original.
Einige Details, die uns wichtig sind:
- Der Kalibrierschein wird validiert. Der Viewer liest die in der Datei angegebene Schemaversion und prüft den Kalibrierschein gegen das passende amtliche PTB-Schema. Jede veröffentlichte DCC-Version wird damit unterstützt.
- Nichts wird gespeichert. Die Datei wird im Arbeitsspeicher verarbeitet und anschließend verworfen. Sie wird nie auf eine Festplatte geschrieben, und nichts geht an einen KI-Dienst oder einen anderen Dritten. Die Verarbeitung ist deterministisch. Erst das macht das Werkzeug für Kalibrierdaten überhaupt brauchbar.
- Zwei Sprachen, sauber getrennt. Die Oberfläche gibt es auf Deutsch und Englisch. Der Inhalt des Kalibrierscheins wird in den Sprachen angezeigt, die der DCC selbst mitbringt. Ein deutscher Nutzer kann also einen rein englischen Kalibrierschein mit deutscher Oberfläche lesen.
Der Viewer verarbeitet eine Datei nach der anderen. Er ist für den Moment gedacht, in dem ein Kalibrierschein im Postfach landet, nicht für die Verwaltung von Hunderten.
Wenn eine Datei nicht reicht
Wer regelmäßig Kalibrierscheine erhält, will sie als Nächstes zusammen mit den zugehörigen Messmitteln aufbewahren. Genau das macht die digical App: Sie speichert DCCs bei den Messmitteln, validiert sie beim Upload, überwacht Ablaufdaten und schickt eine E-Mail, bevor ein Kalibrierschein ungültig wird. Der Berichtsgenerator im DCC Viewer ist derselbe, den Sie dort wiederfinden.
Bis dahin ist der DCC Viewer der schnellste Weg, herauszufinden, was in dem XML-Anhang steckt. Probieren Sie es mit Ihrem nächsten Kalibrierschein aus.